Anschreiben lassen, der Kredit bei Tante Emma

Angesichts der Kredite, die manche Menschen am Laufen haben, ist die Summe, die man im Tante Emma Laden oder in der Bäckerei anschreiben lässt, sicher kaum der Rede wert. Dennoch geht man eine Verpflichtung ein, die man nach bestem Wissen und Gewissen auch begleichen sollte. Immerhin bringen die Händler den Kunden großes Vertrauen gegenüber. Anschreiben lassen dürfen beispielsweise Familien, die persönlich bekannt sind. Da geht der Mama während der Zubereitung vom Mittagessen die Sahne aus – die Kinder laufen schnell und holen einen Becher. Die paar Cent kommen auf die Monatsrechnung, die die Familie dann immer wieder einmal bei passender Gelegenheit, aber vielleicht auch zu einem festen Datum begleicht. Der Bäcker, der jeden Morgen einen Stammkunden bedient und das schon seit Jahren, wird auch nichts dagegen haben, wenn hier eine Vereinbarung zum Anschreiben, also für einen kleinen Kredit, getroffen wird. Es spart Aufwand, nicht jeden Morgen Geld für zwei Brötchen und ab und zu ein Stück Kuchen zu kassieren, sondern das Geld in einem Betrag zu erhalten. Auch für den Kunden ist das ein Stückweit angenehmer.

Über eine lange Zeit kann dieses Anschreiben lassen funktionieren und sogar ein Stückchen Sicherheit, zum Beispiel für Rentner, sein. Jeden Tag kam der alte Herr, holte die Zeitung und ein Brötchen, führte einen kurzen Plausch und ging dann seiner Wege. Kommt er ein oder zwei Tage nicht, macht man sich im kleinen Laden an der Ecke Sorgen und sieht vielleicht auch nach dem Rechten, nicht nur, weil die Zahlung der Monatsrechnung ansteht. Krankheit kann ein Grund sein, warum die Kunden nicht kommen, und ihren Mini Kredit bezahlen, für den sie die Waren längst mitgenommen und verspeist haben. Traurig ist es allerdings, wenn die Gutmütigkeit der Händler ausgenutzt wird, indem man dann einfach nicht mehr in den Laden geht, um seine Schulden zu bezahlen. Ein Recht darauf, etwas anschreiben zu lassen, gibt es übrigens nicht.

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